Schulentwicklung

Schulprogramm am Hans-Böckler-Berufskolleg

Schulentwicklung, Schulleitbild, Schulprofil/Schulprogramm 2021-2026
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Ergebnisse der Qualitätsanalyse am Hans-Böckler-Berufskolleg

Die Vorbereitung und Durchführung einer Qualitätsanalyse durch die Bezirksregierung Münster erfolgte ab März 2018 und endete mit der Übersendung des Qualitätsberichts im Dezember 2019.

Anfang November 2019 wurde das Hans-Böckler-Berufskolleg von der Bezirksregierung Münster im Zuge einer Qualitätsanalyse besucht. Die Qualitätsanalyse ist ein Verfahren der externen Evaluation mit dem vorrangigen Ziel, die Schulen in ihrer Schul- und Unterrichtsentwicklung zu unterstützen. Es gilt, über die Analyse der schulischen Prozesse den Ist-Stand der Schulentwicklung aufzuzeigen. Mit Hilfe von Analysekriterien wird die Qualität der pädagogischen Arbeit in Schule und Unterricht bewertet, um im Anschluss nachhaltige Impulse zur Weiterentwicklung der Schulqualität zu setzen.

Dazu wurden zahlreiche schulische Dokumente – von der didkatischen Jahresplanung (schulinterne Umsetzung der Bildungspläne), dem Fortbildungs- und Leistungskonzept bis zum Vertretungskonzept - vom Qualitätsteam der Bezirksregierung Münster geprüft. Im November 2019 fanden dann insgesamt 97 Unterrichtsbesuche in Marl und Haltern am See statt. Zudem wurden zahlreiche Interviews mit Vertretern der gesamten Schulgemeinde durchgeführt. Hierzu gehörten die Schulleitung, Vertreter des Kollegiums, der Schülerschaft und Eltern, unserer dualen Partner sowie das Personal der Verwaltung und des Gebäudemanagements.

Mittlerweile ist die Analyse abgeschlossen und der Qualitätsbericht liegt dem Hans-Böckler-Berufskolleg vor. Als Grundlage für die externe Evaluation gibt es in Anlehnung an den Referenzrahmen Schulqualität NRW ein Qualitätstableau, in dem alle landesweit verpflichtenden sowie ergänzenden Prüf- bzw. Analysekriterien aufgelistet sind. Aus den ergänzenden Analysekriterien wurden durch das schulische Personal im Vorfeld weitere Kriterien ausgewählt, die der erweiterten Schulleitung und weiteren schulischen Gremien wichtig erschienen. Dadurch ergab sich ein schulspezifisches Prüftableau mit insgesamt 52 Analysekriterien in den Bereichen Lehren und Lernen, Schulkultur sowie Führung und Management unter den Leitthemen „Handlungskompetenzen grundlegen“, „Beraten, begleiten, Übergänge gestalten“, „Kommunizieren und Kooperieren“ und „Qualität sichern und entwickeln“.

Für die Bewertung der Kriterien gibt es vier Beurteilungskategorien (++, +, -, --).
Die Qualitätsanalyse NRW bescheinigt dem Hans-Böckler-Berufskolleg in 15 Analysekriterien die Kategorie ++, d.h. das Kriterium ist beispielhaft erfüllt und die Qualität ist exzellent, in 33 Kriterien die Kategorie +, d.h. die Qualität entspricht den Erwartungen. Nur drei Kriterien wurden mit -, d.h. das Kriterium ist eher nicht erfüllt und die Qualität entspricht überwiegend nicht den Erwartungen, bewertet. Die Kategorie - - wurde am Hans-Böckler-Berufskolleg Marl/Haltern nicht vergeben.

Besonders erwähnenswert ist hierbei zum einen das sehr gute Unterrichts- und Lernklima, das durch einen hohen Respekt, die gegenseitige Unterstützung und die hohe Akzeptanz von Vielfalt und Unterschiedlichkeit geprägt ist. Hierzu trägt auch der erarbeitete Schulvertrag bei, der Verhaltens- und Verfahrensregeln zum Umgang miteinander beschreibt. Das positive Klima wird auch durch den transparenten Einsatz des optimierten Leistungskonzepts der Schule gefördert. Die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler wird durch ein ausgezeichnetes Übergangsmanagement und eine exzellente Laufbahnberatung deutlich. In diesem Zusammenhang werden die Erziehungsberechtigten in Erziehungsangelegenheiten systematisch beraten.

Das Hans-Böckler-Berufskolleg überzeugt auch durch die Einbindung seiner Arbeit in das Umfeld. Hierzu gehören die professionsübergreifenden, systematischen internen und externen Kooperationen innerhalb des Kollegiums, sowie mit Betrieben im In- und Ausland und mit den Zubringerschulen. Hierzu sichert die Schulleitung die notwendigen Rahmenbedingungen zu, die diese Kooperationen unterstützen. Die klare Zielvorstellung und die Strategien für die Weiterentwicklung der Schule durch die Schulleitung überzeugen hierbei genauso, wie das strukturierte Verfahren zur Steuerung der Prozesse. Der gepflegte und saubere Zustand der Schulgebäude mit dem entsprechenden Außengelände fiel dem QA-Team ebenfalls sehr positiv auf. Das Ergebnis des QA-Berichtes spiegelt insgesamt das Engagement und die kontinuierliche Entwicklungsarbeit zur Optimierung der schulischen Prozesse durch alle am Schulleben Beteiligten wider, ohne dass dieses sehr positive Ergebnis nicht möglich gewesen wäre.

Die Schul- und Unterrichtsentwicklung hört damit natürlich nicht auf. Denn eine Evaluation oder Qualitätsanalyse macht erst dann Sinn, wenn aus den Ergebnissen und Impulsen durch das Qualitätsteam neue Zielvorhaben bezüglich der Schul- und Unterrichtsentwicklung im Zuge der Qualitätssicherung erwachsen. Eines dieser Weiterentwicklungspotentiale ist in der kontinuierlichen Unterrichtsentwicklung und deren Dokumentation auf der Ebene der didaktischen Jahresplanungen und dem konsequenteren Einsatz von Schülerfeedback mit seinen Optimierungshinweisen zu sehen. Nur so kann das Hans-Böckler-Berufskolleg der sich stetig wandelnden Gesellschaft und der Digitalisierung gerecht werden und die Schülerinnen und Schüler adäquat auf ihre Zukunft vorbereiten

Historie

So fing es an: Die gewerbliche Fortbildungsschule der Gemeinde Marl

In der Gemeindeversammlung der Gemeinde Marl wurde am 14.Oktober 1905 unter dem Vorsitz von Amtmann Barkhaus und Gemeindevorsteher Stoltenberg verhandelt und beschlossen: "Mit dem 1. April 1906 anfänglich soll in hiesiger Gemeinde eine gewerbliche Fortbildungsschule eingerichtet werden.
Der vorgelegte Entwurf zu dem Ortsstatut wurde genehmigt und das Schulgeld auf 1 1/2 Mark halbjährlich festgesetzt. Von der Bestellung eines besonderen Schulvorstandes soll vorläufig abgesehen werden. Für die Erteilung des Unterrichts wurden folgende Tage und Stunden bestimmt:

  • im Sommerhalbjahr: Sonntag von 7.30 bis 9 Uhr und Donnerstag von 4 bis 8 Uhr nachmittags;
  • im Winterhalbjahr: Sonntag von 8 bis 9.30 Uhr, Dienstag von 4 bis 6.30 Uhr und Donnerstag von 4 bis 6.30 Uhr nachmittags.
  • Mit Rücksicht auf die große Ausdehnung der Gemeinde ist es nicht angängig den Sonntag frei zu lassen und den Unterricht ganz auf die Wochentage zu legen."

Der von der Gemeindeversammlung gefasste Beschluss zur Errichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule wurde im Antrag des Landrates von Recklinghausen an den Regierungspräsidenten in Münster am 9.4.1906 -G.-Nr.7666 - mit der Bitte um Genehmigung der Ortssatzung, der Schulordnung und des Lehrplanes eingerichtet.

Der Landrat bat gleichzeitig darum, dass der Regierungspräsident beim Minister für Handel und Gewerbe in Berlin die Gewährung einer Staatsbeihilfe erwirken möge". Dies tat der Regierungspräsident am 2.5.1906. Der Minister gab die Genehmigung am 10.7.1906 -J.-No.IV 6377 - und die Bewilligung "von 290 M. Staatszuschuss für 1906 und die Bewilligung "einer einmaligen Zahlung von 80 M. für Lehrmittel".
Der kom. Regierungs- und Gewerbeschulrat Prof. Wolf aus Arnsberg hatte in seiner Beurteilung vom 31.3.1906 geschrieben, dass er keine Einwendungen erhebe gegen den Lehrplan und Stoffverteilungsplan. Dagegen wurde beim Stundenplan von ihm bemerkt,, dass "gemäß Min.Erl. vom 11.12.1903 - IIIb 8927 - der Sonntagnachmittag unter allen Umständen vom Unterricht frei gehalten werden soll".
Das am 14.10.1905 vom Gemeinde-Vorstand beschlossene "Ortsstatut betreffend die gewerbliche Fortbildungsschule in Marl" und die am 13.3.1906 beschlossene "Schulordnung für die gewerbliche Fortbildungsschule in Marl" wurden am 28.7.1906 vom Bezirksausschuss Münster - Nr. 3215 IV - genehmigt. Nach dem zum 1. April 1906 in Kraft getretenen Ortsstatut waren alle "nicht bloß vorübergehend beschäftigten gewerblichen Arbeiter(Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter) verpflichtet, die hierselbst errichtete öffentliche gewerbliche Fortbildungsschule an den vom Gemeinde-Vorstand festgesetzten Tagen und Stunden zu besuchen und an dem Unterricht teilzunehmen. Die Schulpflicht endigt mit dem Schlusse des Schulhalbjahres, in welchem die Schüler das 17. Lebensjahr vollenden".

Der 1. April 1906 ist der "Geburts-Tag" der Kernschule des berufsbildenden Schulwesens in der Region Marl. Die gewerbliche Fortbildungsschule von 1906 in Marl wurde Kristallisationspunkt für eine sich entwickelnde berufsbildende Schule mit gewerblich-technischen, landwirtschaftlichen, kaufmännischen, hauswirtschaftlich-sozialpflegerischen und sozial-pädagogischen Bildungsgängen.

Sie ist es auch heute noch mit Ausnahme der Landwirtschaft. Auf Antrag der Stadt Marl (Ratsbeschlüsse vom 30.3.1971 und 22.3.1973) genehmigte der Kultusminister NW mit Erlass vom 5.7.1972 zum 1.8.1973 den Eintritt in die Planungsphase der Kollegschule. Aufgrund des Antrags der Stadt Marl genehmigte der Kultusminister NW (Erlass 27.12.1977 -I-A7.37-13Nr.1737/77) den Eintritt in die Vorlaufphase des Kollegschulversuchs für alle Marler Schulen der Sekundarstufe II zum 1. Februar 1978. Am 1.8.1979 wurde die "Städtische Berufs-, Berufsfach-, Fach- und Fachoberschule Marl" in die "Hans-Böckler-Kollegschule der Stadt Marl - Schule der Sekundarstufe II" umgewandelt. Am 1. Januar 1993 wurde die Hans-Böckler-Kollegschule in die Trägerschaft des Kreises Recklinghausen überführt. Mit dem Schuljahr 1993/94 wurde die Berufsschule Haltern Teil der Hans-Böckler-Kollegschule.

Mit dem Schuljahr 1998/99 wurde aus der Hans-Böckler-Kollegschule das Hans-Böckler-Berufskolleg.

Der Namensgeber

Hans Böckler (1875 - 1951), Deutscher Gewerkschaftsführer, 1949 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds und Vizepräsident des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.

Wenn man seinen Namen in Google eingibt, erhält man ein paar tausend Treffer. Dabei wissen immer weniger Menschen, wer Hans Böckler war. Das liegt zum Teil daran, dass die Dinge, für die er gekämpft und die er erkämpft hat, für uns heutzutage vollkommen selbstverständlich sind.
Gewerkschaften zum Beispiel. Und Mitbestimmung. Eben eine faire Arbeitswelt, in der nicht das Gesetz des Stärkeren regiert - sondern Gesetze. Als Böckler geboren wurde, gab es zwar schon eine aufstrebende Arbeiterbewegung, aber in der Arbeitswelt bestimmten die Unternehmer fast alles. Sie fühlten sich als die ,Herren im Haus’ und handelten auch so.

Hans Böckler wurde am 26. Februar 1875 in Trautskirchen (Bayern) geboren. 1894 trat er mit 19 Jahren dem Deutschen Metallarbeiterverband bei. Zu dieser Zeit waren in Deutschland nicht einmal 300.000 Mitglieder in Verbänden organisiert. Es gab keine Lohntarife, keinen Achtstundentag, keine Betriebsräte und keinen gesetzlichen Arbeitsschutz. Die Gewerkschaften und ihre Funktionäre wurden durch die Polizei im kaiserlichen Deutschland verfolgt und schikaniert.
Hans Böckler begann seine sozialpolitische Arbeit 1903 als hauptamtlicher Sekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes, wo er fünf Jahre später in die Leitung des 8. Bezirks aufstieg. Als er 1928 in die Gewerkschaft eintrat, wurde er auch gleichzeitig Mitglied der SPD und in den Deutschen Reichstag gewählt.

Nach dem ersten Weltkrieg hatten die Gewerkschaften, nach jahrzehnte langen Kämpfen, das Koalitionsrecht und den Achtstundentag durchgesetzt. Zu dieser Zeit hatte die Gewerkschaftsbewegung einen maßgeblichen Anteil an der Gestaltung des gesamten wirtschaftlichen Geschehens in der Weimarer Republik.
Im Nationalsozialismus war Hans Böckler Verfolgung, Verurteilung und Haftstrafen ausgesetzt. Dort konnte er seine Bemühungen nicht mehr verwirklichen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg strebte Hans Böckler statt vieler Richtungsgewerkschaften eine Einheitsgewerkschaft an. Diese wurde aber von den Siegermächten als zu zentralistische Organisation abgelehnt und nicht akzeptiert.
Nicht zu vergessen ist der Einsatz Hans Böcklers für den Wiederaufbau Deutschlands. So nahm er nach dem Zweiten Weltkrieg Kontakt zu den Besatzungsmächten auf, um eine Demontage der Industrieanlagen und eine Ausweitung der Produktionsbeschränkungen zu verhindern. Untrennbar mit der Persönlichkeit Hans Böcklers verbunden ist auch sein Einsatz für die Mitbestimmung. Im Januar 1951 bereits wurde die Montanmitbestimmung (für die Eisen- und Stahlindustrie und den Bergbau) im Bundestag angenommen. Kurze Zeit nachdem die Grundsätze der Mitbestimmung verwirklicht wurden, starb Hans Böckler am 16. Februar 1951 in Köln.

Das Foto sowie einige Inhalte sind mit freundlicher Genehmigung der Homepage der Hans-Böckler-Stiftung entnommen.